Statistik zur Todesstrafe 2008
China: Grausamer Weltmeister bei den Exekutionen
London/Zürich, 24. März 2009. Die Todesstrafe ist weltweit auf dem Rückzug. China richtet weiterhin mehr Menschen hin als der Rest der Welt zusammen. Zu diesem Ergebnis kommt Amnesty International in dem jährlichen Bericht zur Todesstrafe, den die Menschenrechtsorganisation heute veröffentlicht hat. In Europa ist Weissrussland das letzte Land, das die Todesstrafe noch vollstreckt.
In keiner Region der Erde wurden im Jahr 2008 mehr Menschen hingerichtet als in Asien. Allein die Volksrepublik China war mit mindestens 1718 Fällen für fast drei Viertel aller weltweiten Hinrichtungen verantwortlich. Die Dunkelziffer liegt vermutlich um ein Vielfaches höher, da Statistiken zu Todesurteilen und Exekutionen in China als Staatsgeheimnis behandelt werden.
Im Jahr 2008 hat Amnesty International 2390 Hinrichtungen in 25 Ländern dokumentiert. Mindestens 8864 Personen wurden in 52 Staaten zum Tode verurteilt. In Europa wendet mit Weissrussland nur noch ein Staat die Todesstrafe an. Seit 1991 wurden dort schätzungsweise 400 Menschen hingerichtet.
«Die Todesstrafe ist eine grausame, erniedrigende und in höchstem Masse unmenschliche Strafe. Enthaupten, erhängen, erschiessen, steinigen, der elektrische Stuhl und die Giftspritze haben im 21. Jahrhundert keinen Platz», sagte Irene Khan, Generalsekretärin von Amnesty International. Viele Todeskandidaten und Todeskandidatinnen müssen unter menschenunwürdigen Bedingungen im Todestrakt ausharren. In Japan zum Beispiel werden die Verurteilten erst am Tag ihrer Hinrichtung über die bevorstehende Vollstreckung informiert. Ihre Familien erfahren erst viel später von der Tötung des Angehörigen.
In der Region Mittlerer Osten und Nordafrika werden weltweit am zweitmeisten Exekutionen vollstreckt. Die Zahl der Hinrichtungen in dieser Region stieg auf 508 Fälle. Im Iran wurden mindestens 346 Menschen mit grausamen und unmenschlichen Methoden wie Steinigung und erhängen exekutiert. Darunter waren 8 zur Tatzeit minderjährige Straftäter. Saudi Arabien hat mindestens 102 Personen hingerichtet. Die zum Tode Verurteilten wurden oft auf öffentlichen Plätzen enthauptet und in einigen Fällen gekreuzigt.
«Die Todesstrafe ist ein legalisiertes körperliches und seelisches Folterinstrumentarium, das in der staatlich organisierten Tötung endet. Damit muss endlich Schluss sein», sagte Irene Khan.
Im vergangenen Jahr haben mit Argentinien und Usbekistan zwei weitere Staaten die Todesstrafe aus ihren Gesetzen verbannt. Weltweit sind es heute 138 Länder, die die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft haben. «Nur noch eine kleine Minderheit von Staaten führen weiterhin Exekutionen durch. Eine Welt ohne Todesstrafe rückt immer näher», erklärte Irene Khan.
Todesstrafe weltweit/Statistik 2007
Weniger Hinrichtungen weltweit – China an der Spitze
Im Jahr 2007 hat AI 1252 Hinrichtungen (2006: 1591) in 24 (25) Ländern dokumentiert, mindestens 3347 Menschen in 51 Ländern wurden zum Tode verurteilt. Bis heute haben 135 Länder die Todesstrafe im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft, 62 halten daran fest. 2007 schafften Albanien, die Cook-Inseln und Ruanda die Todesstrafe komplett ab, Kirgisistan für gewöhnliche Straftaten. Das bedeutet, dass mittlerweile 68 Prozent aller Staaten die Todesstrafe zumindest in der Praxis abgeschafft haben.
Im Iran, in Saudi-Arabien und im Jemen wurden in krasser Verletzung internationalen Rechts mindestens fünf jugendliche Straftäter hingerichtet. In verschiedenen Ländern wurden Menschen für Handlungen exekutiert, die gemeinhin keine Straftaten darstellen: Im Iran wurde Ja’Far Kiani wegen Ehebruchs gesteinigt; in Nordkorea wurde ein Fabrikdirektor u.a. deshalb erschossen, weil er sein Geld in die Fabrik investiert und seine Kinder zu seinen Managern gemacht hatte; in Saudi-Arabien wurde der Ägypter Mustafa Ibrahim wegen Hexerei geköpft.

Uno-Generalversammlung
Historischer Schritt zur Abschaffung der Todesstrafe
Bern/London, 19. Dezember 2007. Mit 104 Ja gegen 54 Nein und bei 29 Enthaltungen hat die Uno-Generalversammlung eine Resolution für einen weltweiten Stopp aller Hinrichtungen angenommen. Für Amnesty International ist dieser Entscheid ein Meilenstein auf dem Weg zur endgültigen Abschaffung der Todesstrafe.
Der Aufruf für einen weltweiten Hinrichtungsstopp «ist eine historische Resolution und ein Meilenstein auf dem Weg in eine Welt ohne Todesstrafe», reagierte Amnesty International (AI) erfreut auf den Entscheid der Uno-Generalversammlung. «Nachdem die Resolution für einen weltweiten Hinrichtungsstopp von der Generalversammlung deutlich angenommen worden ist, ruft Amnesty International alle Staaten auf, ein Moratorium für Hinrichtungen zu verfügen», erklärte AI-Generalsekretärin Irene Khan. «Die Uno-Resolution ist ein entscheidender Schritt für die weltweite Abschaffung der Todesstrafe.»
Die gestern angenommene Resolution ruft Staaten, in denen die Todesstrafe per Gesetz möglich ist, dazu auf, «einen Hinrichtungsstopp zu verfügen im Hinblick auf eine Abschaffung der Todesstrafe». Die Resolution der Generalversammlung ist zwar nicht bindend, hat aber grosses moralisches und politisches Gewicht. AI setzt darauf, dass die Resolution den Druck auf jene Staaten erhöht, die die Todesstrafe noch anwenden und dass diese Staaten als ersten Schritt auf dem Weg zur Abschaffung keine Hinrichtungen mehr vollstrecken. Die Uno-Generalversammlung hat bereits 1971 und 1977 Resolutionen verabschiedet, die allerdings schwächer formuliert waren, weil es darin nur als «wünschbar» bezeichnet wurde, dass Staaten die Todesstrafe abschaffen. AI hat sich mit der Europäischen Union und Staaten aus aller Welt im Vorfeld der Abstimmung entschieden für einen weltweiten Hinrichtungsstopp eingesetzt.
Bis heute haben 90 Staaten die Todesstrafe vollständig und 11 in Friedenszeiten abgeschafft. Erst letzte Woche hat zudem der US-Bundesstaat New Jersey die Abschaffung der Todesstrafe angekündigt. 32 weitere Staaten wenden die Todesstrafe nicht mehr an, obwohl sie gesetzlich noch möglich ist. 64 Staaten halten an der Todesstrafe fest. 2006 wurde die Todesstrafe noch in 25 Staaten angewendet, 91 Prozent der Hinrichtungen im Jahr 2006 wurden in China, im Iran, im Irak, in Pakistan, im Sudan und in den USA vollstreckt. 2006 wurden mindestens 1591 Menschen hingerichtet und 3861 zum Tode verurteilt.
Todesstrafe weltweit/Statistik 2006
Mit zunehmendem Druck sinkt die Zahl der Exekutionen
Rom/Bern, 27. April 2007. Die Zahl der Hinrichtungen auf der ganzen Welt ist von 2148 im Jahr 2005 auf 1591 im Jahr 2006 zurückgegangen. Dies geht aus der jährlichen Todesstrafen-Statistik hervor, die Amnesty International heute Freitag an einer Pressekonferenz in Rom vorgestellt hat. «Eine Welt ohne Todesstrafe ist möglich, wenn diejenigen Regierungen, die eine Vorreiterrolle spielen, den Weg weisen», erklärte Irene Khan, die Generalsekretärin von Amnesty International.
«Amnesty International ruft zu einem weltweiten Moratorium für Hinrichtungen auf», erklärte Irene Khan, die Generalsekretärin von Amnesty International (AI) anlässlich der Veröffentlichung der Todesstrafen-Statistik 2006 in Rom. «Nur 6 Staaten waren für 91 Prozent aller im Jahr 2006 durchgeführten Hinrichtungen verantwortlich: China, Iran, Pakistan, Irak, Sudan und die USA. Dieser harte Kern der Hinrichtungs-Staaten ist isoliert und handelt völlig gegen den globalen Trend».
1977 hatten erst 16 Staaten die Todesstrafe für alle Verbrechen abgeschafft. 30 Jahre später nimmt die Zahl derjenigen Staaten, die die Todesstrafe abgeschafft haben, immer noch stetig zu. Das hat zu einer weltweiten Dynamik für die endgültige Eliminierung der Kapitalstrafe geführt. Als bisher letzter von 99 Staaten haben 2006 die Philippinen die Todesstrafe für gewöhnliche Verbrechen abgeschafft. Zahlreiche weitere Länder, wie Südkorea, stehen kurz vor diesem Schritt.
Irak stieg 2006 in den Kreis derjenigen Staaten auf, die die meisten Hinrichtungen durchführen. Die Anwendung der Todesstrafe hat nach ihrer Wiedereinführung Mitte 2004 stark zugenommen. Seither wurden mehr als 270 Menschen zum Tode verurteilt, mindestens 100 Hinrichtungen wurden vollstreckt. Für 2004 sind keine Hinrichtungen nachgewiesen, 2005 wurden mindestens 3 Männer hingerichtet. 2006 richtete sich die weltweite Aufmerksamkeit auf die per Handy gefilmte Hinrichtung von Saddam Hussein im Dezember. Dabei ging völlig unter, dass die Zahl der Exekutionen im Irak im Laufe des Jahres dramatisch zugenommen hat: Mehr als 65 Personen wurden gehängt, darunter mindestens 2 Frauen.
Im Iran hat sich die Zahl der Exekutionen im Vergleich zu 2005 nahezu verdoppelt: Mindestens 177 Personen wurden 2006 hingerichtet. Mit mindestens 82 Hinrichtungen im Jahr 2006 ist auch Pakistan in den Kreis der Staaten mit den meisten Exekutionen zurückgekehrt. Im Sudan wurden mindestens 65 Personen hingerichtet, wobei die wirkliche Zahl weit höher liegen dürfte. In 12 Bundesstaaten der USA wurde das Todesurteil an 53 Personen vollstreckt. Iran und Pakistan sind die beiden einzigen Staaten, in denen 2006 – unter Verletzung internationalen Rechts – jugendliche Straftäter hingerichtet wurden. Der Iran hat 4, Pakistan einen Jugendlichen exekutiert.
China ist nach wie vor das Land, in dem die meisten Hinrichtungen vollstreckt werden. Amnesty International hat für 2006 über 1000 Exekutionen registriert. Die Zahlen über die Vollstreckung der Todesstrafe sind in China ein Staatsgeheimnis. Es ist davon auszugehen, dass in Wirklichkeit in China gegen 8000 Hinrichtungen durchgeführt worden sind.
