Statistik zur Todesstrafe 2010
China: Grausamer Weltmeister bei den
Exekutionen
März 2010. Die Todesstrafe ist weltweit auf dem Rückzug. China richtet
weiterhin mehr Menschen hin als der Rest der Welt zusammen. Zu diesem
Ergebnis kommt Amnesty International in dem jährlichen Bericht zur
Todesstrafe. In Europa ist Weissrussland das letzte Land, das die
Todesstrafe noch vollstreckt.

Aus Afghanistan, Indonesien, der Mongolei,
Pakistan, Saint Kitts und Nevis sowie den Vereinigten Arabischen
Emiraten wurden keine Exekutionen bekannt ,obwohl diese Länder bis 2008
bzw. 2009 noch Hinrichtungen durchführten. Nach einer
Unterbrechung vollstreckten hingegen Bahrain, Belarus, Äquatorialguinea,
die Palästinensischen Autonomiegebiete, Somalia und Taiwan im Jahr 2010
wieder wenigstens ein Todesurteil. Im Jahr 2010 wurden mindestens 527
Menschen hingerichtet. In dieser Zahl sind jedoch nicht die
Tausenden von Exekutionen enthalten, die vergangenes Jahr in China
vermutlich durchgeführt wurden. Letztes Jahr beschloss
Amnesty International, über die Anwendung der Todesstrafe in
China, wo diese Daten als Staatsgeheimnis behandelt werden, auch
keine annähernd geschätzten Zahlen mehr zu veröffentlichen. Statt dessen
forderte Amnesty International die chinesischen Behörden auf, die
Zahlen der jedes Jahr zum Tode Verurteilten und Hingerichteten bekannt
zu geben und damit ihre Behauptung unter Beweis zu stellen, die
Todesstrafe werde dort inzwischen in geringerem Ausmaß
angewendet. Wenigstens 2024 neue Todesurteile wurden 2010 in 67 Ländern
verhängt; dies ist der niedrigste Wert, der anhand unserer
Recherchen als gesichert gelten kann.
HINRICHTUNGEN 2010
Folgende Länder vollstreckten 2010
Todesurteile: Ägypten (4), Äquatorialguinea (4), Bahrain (1),
Bangladesch (> 9), Belarus (2), Botsuana (1), China (Tausende), Irak (>
1), Iran (> 252), Japan (2), Jemen (> 53), Libyen (> 18), Malaysia (>
1), Nordkorea (> 60), Palästinensische Autonomiegebiete
(5), Saudi-Arabien (> 27), Singapur (+), Somalia (> 8), Sudan (> 6),
Syrien (> 17), Taiwan (4), USA (46), Vietnam (+).
Folgende Hinrichtungsmethoden wurden
im vergangenen Jahr angewendet:
Enthaupten (Saudi-Arabien),
Elektrischer Stuhl (USA),
Erhängen (Ägypten, Bangladesch, Botsuana, Irak,
Iran, Japan, Malaysia, Nordkorea, Singapur, Sudan, Syrien),
Giftinjektion (China, USA),
Erschiessen (Äquatorialguinea, Bahrain, Belarus,
China, Jemen, Nordkorea, Palästinensische Autonomiegebiete, Somalia,
Taiwan, USA, Vietnam).
Uno-Generalversammlung
Historischer
Schritt zur Abschaffung der Todesstrafe
Dezember 2007. Mit 104 Ja gegen 54 Nein
und bei 29 Enthaltungen hat die Uno-Generalversammlung eine Resolution
für einen weltweiten Stopp aller Hinrichtungen angenommen. Für Amnesty
International ist dieser Entscheid ein Meilenstein auf dem Weg zur
endgültigen Abschaffung der Todesstrafe.
Der Aufruf für einen weltweiten
Hinrichtungsstopp «ist eine historische Resolution und ein Meilenstein
auf dem Weg in eine Welt ohne Todesstrafe», reagierte Amnesty
International (AI) erfreut auf den Entscheid der Uno-Generalversammlung.
«Nachdem die Resolution für einen weltweiten Hinrichtungsstopp von der
Generalversammlung deutlich angenommen worden ist, ruft Amnesty
International alle Staaten auf, ein Moratorium für Hinrichtungen zu
verfügen», erklärte AI-Generalsekretärin Irene Khan. «Die Uno-Resolution
ist ein entscheidender Schritt für die weltweite Abschaffung der
Todesstrafe.»
Die gestern angenommene Resolution ruft Staaten,
in denen die Todesstrafe per Gesetz möglich ist, dazu auf, «einen
Hinrichtungsstopp zu verfügen im Hinblick auf eine Abschaffung der
Todesstrafe». Die Resolution der Generalversammlung ist zwar nicht
bindend, hat aber grosses moralisches und politisches Gewicht. AI setzt
darauf, dass die Resolution den Druck auf jene Staaten erhöht, die die
Todesstrafe noch anwenden und dass diese Staaten als ersten Schritt auf
dem Weg zur Abschaffung keine Hinrichtungen mehr vollstrecken. Die
Uno-Generalversammlung hat bereits 1971 und 1977 Resolutionen
verabschiedet, die allerdings schwächer formuliert waren, weil es darin
nur als «wünschbar» bezeichnet wurde, dass Staaten die Todesstrafe
abschaffen. AI hat sich mit der Europäischen Union und Staaten aus
aller Welt im Vorfeld der Abstimmung entschieden für einen weltweiten
Hinrichtungsstopp eingesetzt.
Bis heute haben 90 Staaten die Todesstrafe vollständig und 11 in
Friedenszeiten abgeschafft. Erst letzte Woche hat zudem der
US-Bundesstaat New Jersey die Abschaffung der Todesstrafe angekündigt.
32 weitere Staaten wenden die Todesstrafe nicht mehr an, obwohl sie
gesetzlich noch möglich ist. 64 Staaten halten an der Todesstrafe fest.
2006 wurde die Todesstrafe noch in 25 Staaten angewendet, 91 Prozent der
Hinrichtungen im Jahr 2006 wurden in China, im Iran, im Irak, in
Pakistan, im Sudan und in den USA vollstreckt. 2006 wurden mindestens
1591 Menschen hingerichtet und 3861 zum Tode verurteilt.
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